E.T.A. Hoffmann-Haus (Schillerplatz 26, 96047 Bamberg)

Auf dem Bamberger Schillerplatz verweist eine große Fahne mit dem Namenszeichen und dem Porträt Hoffmanns auf das schmalbrüstige Haus. Hoffmann bewohnte das Gebäude, es war die zweite Wohnung in Bamberg, mit seiner Frau Michaelina vom 1. Mai 1809 bis zum 21. April 1813, und zwar in der zweiten Etage (Wohnraum, Küche) und im Dachgeschoss (Schlaf- und Arbeitsraum: das Poetenstübchen).

Neben der Gedenkentafel von 1908 weist ein Ausleger mit dem Kater Murr auf das Haus hin. Der schreibendende Kater wurde nach der Umschlagillustration der Erstausgabe der "Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern" von Bernd Gecius 2010 zweiseitig in Kupferblech gestaltet, geht also mittelbar auf Hoffmann zurück.

Die Haustür haben bereits Hoffmann und seine Frau geöffnet; damals noch zweigeteilt, konnten nicht nur Kleine und Schlanke den rechten Flügel bequem benützen. Rechts eine Steintafel von 1930 mit der Inschrift: „E.T.A. HOFFMANN WOHNUNG UND MUSEUM“ vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Bamberg, der damals die Öffnung gewährleistete. Das Fenster links zeigt das Selbstbildnis Hoffmanns anstelle einer Unterschrift, dazu die Öffnungszeiten. Es bietet in einer Art Peep-Show-Effekt Einblick auf einen fiktiven Arbeitsplatz und macht neugierig auf den Raum dahinter, das Spiegelkabinett. Unser Bild wurde anlässlich einer Inszenierung des Bamberger E.T.A. Hoffmann-Theaters aufgenommen - Sie brauchen natürlich nicht die Schuhe auszuziehen, um hineinzukommen, auch der "Dolch im Gewande" ist nicht nötig.

Diese Installation ist eine Einstimmung in den Genius loci und die verschiedenen Bereiche des Schaffens Hoffmanns. Das Motto „Ich denke mir mein Ich durch ein VervielfältigungsGlas – alle Gestalten die sich um mich herum bewegen sind Ichs und ich ärgere mich über ihr tun und lassen ppp“ findet sich im Tagebuch vom 6. November 1809. Geboten wird ein optischer Zugang zu den vielfachen „Ichs“ des Künstlers, die sich überlagern und in einander übergehen. Dabei wird der Betrachter in ein Vexierspiel mit einbezogen. Hintergrund ist E.T.A. Hoffmanns Vorliebe für Spiegel-Motive, die sich an vielen seiner Erzählungen ablesen lässt.

Im Erdgeschoss-Gang nimmt Hoffmanns Bild als Anamorphose des Bamberger Künstlers Wolfgang Müller das Motiv der Ichs noch einmal auf (verwendet in der Abbildung oben vor dem Textbeginn). Es gibt dem Besucher gleichzeitig einen Eindruck davon, ein wie großer Geist in einem so schmalbrüstigen Haus wohnte und wirkte.

Dank der Ernst von Siemens-Kunststiftung gelang der Erwerb des Porträts von E.T.A. Hoffmanns Onkel Otto Wilhelm Doerffer (1741-1811) von 1770. Das Ölgemälde eines unbekannten Königsberger Künstlers, von dem durch einen Besucher das Porträt eines anderen Königsbergers in Privatbesitz aufgekommen ist, hängt am Treppenaufgang in das erste Obergeschoss. Doerffer vertrat gewissermaßen Vaterstelle, doch spielte ihm der junge Ernst, wie E.T.A. Hoffmann genannt wurde, manchen Streich. Das Bild ist farbig abgebildet und samt Erwerbung beschrieben in: E.T.A. Hoffmann-Jahrbuch 23 (2015) S. 133-139.

Zur Geschichte der Erwerbung des Doerffer-Porträts

Im ersten Obergeschoss ist der Raum zum Platz zu der Lebenszeit von Königsberg bis Bamberg gewidmet. Die Vitrine enthält Faksimile-Ausgaben (also möglichst getreue Reproduktionen in Originalgröße) der wenigen erhaltenen umfangreicheren literarischen Werke in Hoffmanns eigener Handschrift (Autographe): "Der Sandmann" (Stiftung Berlin Museum), "Meister Martin der Küfner und seine Gesellen" (Staatsbibliothek Bamberg) und die Knarrpanti-Teile des "Meister Floh" (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin).

Das enge verwinkelte Treppenhaus mit seiner „hoffmanesken“ Atmosphäre führt an einer Treppennische vorbei. In ihr sind Illustrationen von P. C. Geissler von 1840 zu "Nussknacker und Mausekönig. Ein allerliebstes Kindermärchen nach E.T.A. Hoffmann oder neueste Bilderlust" mit einem Scherenschnitt von Wolfgang Müller aus dem Jahr 2009 zu einem Papiertheater verbunden.

Im zweiten Obergeschoss ist eine Opernloge zu Hoffmanns berühmtester Oper nachgebaut, der "Undine" nach dem Text von Friedrich Baron de la Motte-Fouqué.
Gezeigt werden Reproduktionen der erhaltenen Dekorationsentwürfe Karl Friedrich Schinkels und eine Nachzeichnung als Bühnenbild. Bekanntlich brannte am 29. Juli 1817 das Berliner Schauspielhaus ab.

Die "Undinen"-Aufführung war ein großer Erfolg, nicht zuletzt von Carl Maria von Weber gerühmt. An dem Raum vorbei, es war die Küche der Hoffmanns, führt der Gang in das Wohnzimmer.

Das zweite Obergeschoss stellt den Lebensabschnitt Hoffmanns von Bamberg bis Berlin vor. Mit Zeichnungen des Künstlers Michael Knobel (Ebelsbach) ist ein Motiv aus dem "Meister Floh" im Gedankenmikroskop visualisiert: was die Menschen sagen, steht an einer Vitrine außen, was sie denken (und was der Held, Peregrinus Tyß, in dem Märchen vermittels eines ins Auge gesetzten Mikroskops erkennt), kann der Besucher nachvollziehen, wenn er in das Innere eines Auges des Selbstbildnisses Hoffmanns (mit physignomischen Erläuterungen) blickt. Roland Rothers Poträt E.T.A. Hoffmanns von 1976 vervollständigt das Gedankenmikroskop.

Die berühmte Öffnung in der Decke vermittelt zu dem darüber liegenden Poetenstübchen. Das "Loch" diente E.T.A. Hoffmann, wie Carl Friedrich Kunz 1837 überliefert, nicht nur zur Konversation mit seiner Frau, "sondern auch zu allerlei komischen Überraschungen, die er ihr, bald durch das Herabhängen eines langen Handtuchs oder Herabwerfen eines Stiefelpaars und dergleichen bereitete.“ Hans Günter Ludwig hat diese Überlieferung 2011 ins Bild gesetzt.

In der Mansarde ist der zur Bergstadt gelegene Raum als Musikzimmer gestaltet. Die Partitur der in Bamberg entstandenen Oper "Aurora" ist auf einer Tapete und in einem dem Original der Staatsbibliothek Bamberg nachgebildeten Buch reproduziert. Vor der Wand hängt ein Mobile "Hoffmann instrumentiert", das Hans Günter Ludwig 2012 nach Originalen von Hoffmanns Musikinstrumentendarstellungen im Scherenschnitt neu gestaltet hat.

Musikstücke Hoffmanns werden hörbar vermittels einer interaktiven Musikkommode. Beim Herausziehen einer der acht Schubladen sieht der Besucher die meist autographen Noten Hoffmanns (Originale in der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz sowie in der Staatsbibliothek Bamberg) und kann so die entsprechende Musik anspielen (im Schrank oben das Undine-Modell des Bamberger Künstlers Robert Bauer-Haderlein).

Im Poetenstübchen über dem Wohnzimmer wurde im November 2010 ein spielbares Tafelklavier von Christoph Ehrlich, Bamberger Instrumentenbauer, der Zeit 1809/1810 aus altem Bamberger Familienbesitz (Andreas Blattner) als Leihgabe aufgestellt, das von J. C. Neupert restauriert worden ist.

Das Pianoforte Ehrlichs entspricht dem von Hoffmann auf dem bekannten Selbstbildnis als Kapellmeister Johannes Kreisler in Haustracht dargestellten Instrument in der äußeren Gestalt, ist aber schöner verziert.

Auf dem Pianoforte Ehrlichs spielte Gerhard Weinzierl am 4. Mai 2011 drei kurze Stücke von J. S. Bach (Allemande aus Französische Suite in c-moll), E.T.A. Hoffmann (Andante in B-Dur aus Sonate in F-Dur, Ausschnitt) und W. A. Mozart (Thema in F-Dur mit zwei Variationen); die von Michael Vogel gefertigten Aufnahmen können an einer Hörstation abgespielt werden.